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11/06/2022 – 8 min.

Localism III - Respect the locals: Gerne, aber wie denn nur?

Um das Risiko zu reduzieren, dir von Locals den Surftag verderben zu lassen, kannst du einige Dinge beachten. Im dritten Teil der Blogreihe rund um Localism bekommst du Tools an die Hand, wie du auf Localism reagieren – beziehungsweise wie du ihn vielleicht sogar prävenieren kannst. Und wir bereiten dich auf Situationen vor, in denen dir Locals auch einfach den Buckel herunterrutschen können, weil du sicher sein kannst, dass du nichts falsch gemacht hast und der oder sogar die SurferIn nur ein Macho-Arsch ist!

Die Surf Etiquette – Warum wir sie wiederholen und wiederholen und wiederholen.

Was beim Skifahren die Pistenregeln – und im Schwimmbad die Baderegeln sind, ist beim Wellenreiten die Surf Etiquette. Ihre Kenntnis ist essenziell für deine Surfkarriere, deine Sicherheit und die Sicherheit der anderen SurferInnen. Die Regeln zu kennen, ist demnach die erste Voraussetzung für einen respektvollen Umgang mit den Locals.

Je nach Auslegung beinhaltet dieses Regelwerk für SurferInnen 4 bis 9 Regeln. Sie umfassen Vorfahrtsregelungen, Regeln zum sicheren Rauspaddeln sowie eine generelle Mahnung nicht in Wellen zu gehen, die nicht seinem Können entsprechen. Weil die Surf Etiquette so verdammt wichtig für deine Surfkarriere ist, haben wir bereits vor einiger Zeit darüber geschrieben. Und zwar genau hier.

Falls du also schon einige Zeit surfst, unseren letzten Blogbeitrag über die Regeln bereits inhaliert hast oder du ohnehin in einem guten Camp (WaveSisters!) gelernt hast wie du dich im Line Up zu verhalten hast, dann kannst du die nächsten 8 Punkte überspringen und gleich zu den 9 Tipps aus dem ungeschriebenen Regelwerk für einen besseren Umgang mit Localism scrollen. Ansonsten sind die folgenden Absätze eine gute Wiederholung für dich!

Surf Etiquette: Right of way.
Die Vorfahrtsregel im Line Up lautet: Die Person, die am nächsten zum Peak ist, hat das Recht auf die Welle. Für alle anderen Wartenden heißt es: weiter warten! Wenn du dir unsicher bist, wie du den Peak erkennst, frage deine SurflehrerInnen oder schaue dir auf YouTube dieses sehr gut gemachte Surf Etiquette Video an.

Surf Etiquette: Wait your turn!
Obwohl wir nicht in einem Wellenbecken sitzen, gibt es auch im Line Up im Idealfall eine Warteschlange. Sobald du eine Welle nehmen konntest, (Das gilt auch, wenn du sie nicht stehst.) paddelst du in weitem Bogen zurück und reihst dich wieder hinter die wartenden SurferInnen ein. Dort wartest du auf deinen turn.

Gerade diese Regel funktioniert an vielen Peaks kaum. Trotzdem ist es wichtig für dich, dass du nicht gleich nach dem Ankommen wild Wellen anpaddelst. Vielmehr solltest du die Situation im Line Up erstmal beobachten: Wie viele Menschen waren schon vor dir da? Wer ist gerade dran? Werden Regeln eingehalten oder muss man für die Welle kämpfen? Wenn du dir genügend Überblick verschafft hast, wirst du auch schnell merken, wann du eine Welle anpaddeln kannst.

Surf Etiquette: Don`t drop in.
Erklärt sich fast von selbst: War ein/e SurferIn richtig positioniert und ist nun in der Welle, hast du leider jeglichen Anspruch auf diese Welle verloren. Bist du bereits am Paddeln, musst du dein Brett zurückziehen!

Surf Etiquette: Don`t snake.
Ein/e SurferIn, der/ die sich an einem wartenden Surfer in der Nähe des Peaks vorbeischleicht, um die nächste Welle zu kriegen, drängelt sich vor. Wer sich auf diesem Weg Wellen ergattert, hat bald jeglichen Respekt im Line Up verloren. Und snaken passiert oftmals ohne, dass man es merkt.

Auch hier gilt wieder: paddle nicht sofort an den Peak, sondern beobachte die Situation bevor du deine Wellen auswählst.

Surf Etiquette: Never let go of your board.
Punkt. Lass dein Brett nicht los, wenn andere Menschen um dich herum sind. Auch deshalb ist es wichtig, Bedingungen zu wählen, die deinen Skills entsprechen. Denn je größer die Wellen, desto anspruchsvoller ist dein Weg ins Line Up. Wer sein Brett nicht duckdiven kann oder die Turtle Roll nicht beherrscht, wird oft in Versuchung geführt sein Brett einfach loszulassen und gefährdet damit sich und andere.

Surf Etiquette: Apologize.
Ist dir ein Fehler passiert, hast du jemandem die Welle geklaut oder bist im Weg rumgesessen? Dann entschuldige dich aufrichtig und frage im besten Fall auch nach, was hier schiefgelaufen ist.

Surf Etiquette: Paddling out.
Wenn du rauspaddelst, pass auf, dass du niemandem in den Weg paddelst. Ziele auf das Weißwasser (nicht auf die grüne Welle) und paddle zügig nach hinten.

Surf Etiquette Regel: Communicate!
Beobachten und Augenkontakt sind ein guter Anfang, um mit Mitsurfenden zurechtzukommen. Hat dich jemand übersehen, kannst du aber auch ruhig ein lautes “Hey oder Oi.” rufen, damit kein Unfall passiert. Du kannst auch sagen, wohin du fährst, wenn eine Welle nach beiden Seiten bricht. Kommunizieren ist erlaubt und sogar erwünscht, damit alle den Überblick behalten.

9 Tipps aus dem ungeschriebenen Regelwerk für einen besseren Umgang mit Localism

Gleich vorweg: Solange du dich an die Surf Etiquette hältst, bist du auf der sicheren Seite und dann müssen dich grimmige Locals auch wirklich nicht tangieren. Noch besser ist es, dir auch die folgenden Tipps reinzuziehen. So kannst du sicher sein, dass es sich vonseiten der Locals nicht um berechtigte Kritik handelt, sondern einfach nur bloßes ich-war-zuerst-hier-Verhalten. Und davon müssen wir uns nicht den Surf verderben lassen!

Tipp 1: Informiere dich über den Spot und seine Gefahren. Paddle nur raus, wenn du weißt, wie du wieder zurückkommst und überschätze dein Können nicht. Locals erkennen Anfänger sofort und sind dann wieder mit der Frage beschäftigt, wie sie dich gleich retten können, wenn du absäufst.

Tipp 2: Beobachte den Spot vom Strand aus. Wenn nur Cracks unterwegs sind und du eher neu im Grüne Wellen catchen bist, wäre ein anderer Spot mit weniger Experten vielleicht die bessere Wahl. Denn lernen wirst du nur etwas, wenn deine Wellenausbeute auch hoch ist!

Tipp 3: Achte beim Rauspaddeln darauf, dass du nicht als Gruppe im Line up ankommst. Wenn du mit Freunden unterwegs bist, geht bitte hintereinander ins Wasser und lasst ein paar Minuten Abstand. Es wirkt aufdringlich und wird als störend wahrgenommen, wenn ganze Gruppen in einer Football-Mannschafts-Formation ins Line Up gepaddelt kommen.

Tipp 4: Sei freundlich und anfangs zurückhaltend. Paddle also nicht gleich mit entschlossener Miene auf den Peak zu, sondern nimm dir Zeit die Situation zu beobachten, lächle die Locals an und grüße eventuell sogar in der Landessprache.

Tipp 5: Nachdem du die Lage gecheckt hast, kannst du dir deine Rides gezielt aussuchen. Paddle also nicht JEDE Welle an, sondern nur die besten für dich. Und natürlich nur dann, wenn du auch das Recht auf die Welle hast. Du solltest die Welle dann am besten auch nehmen und nicht zurückziehen.

Tipp 6: Ist dir ein Fehler passiert, entschuldige dich. Eventuell kannst du aus der Situation auch etwas lernen. Sollten dich die anderen SurferInnen aber ohne Grund stets anpöbeln, überlege dir einfach, ob du mit den Vibes leben kannst und sie an dir abprallen lässt oder ob du einen Spot suchst, der nicht so gehässig ist!

Tipp 7: Zu guter Letzt kannst du den Locals auch zeigen, dass dir der Spot genauso am Herzen liegt: Lasse deinen Müll nicht liegen und hinterlasse den Platz so wie du ihn vorgefunden hast.

Tipp 8: Achte auf die Stimmung im Line Up und gehe darauf ein.
Unterhalte dich nicht lautstark in deiner Landessprache über den ganzen Spot mit deinen FreundInnen. Wird auch ungern gesehen: kreischende Surfer oder die, die sich pausenlos in einer fremden Sprache anfeuern und jede Welle lauthals abfeiern. So ein Verhalten wird als respektlos gesehen. Hebe dir deine Feierlaune einfach für nach dem Surfen auf 😉

Tipp 9: Verzage nicht, wenn du es mit Localism zu tun bekommst. Bleibe entspannt und genieße das Meer und den Ozean. Ignoriere ungerechtfertigte Anfeindungen und bestehe wirklich auf dein Recht, das Meer genauso genießen zu können! Gib nicht nach, wenn es keinen Grund zur Respektlosigkeit oder Anfeindung gibt und es dir wichtig ist dort zu surfen.

Vielen Dank fürs Mitlesen! Ich wünsche dir viel Erfolg in deinem nächsten Surfurlaub!

 

Im letzten Teil der Localism Reihe gibt es übrigens ein kleines Interview mit Birgit, der Gründerin von WaveSisters. Sie hat sich schon unzählige Wellen mit Locals auf der ganzen Welt geteilt und erkämpft. Mittlerweile ist sie sogar selbst ein halber Local in Famara und kann uns Newbies noch mehr wertvollen Input zum Thema geben.

 

Blogreihe über Localism

In Teil 3 bekommt ihr einige Tipps und Hinweise wie ihr mit Localism umgehen könnt. Dabei sehen wir uns die altbekannten Surf-Regeln genauso an wie neue ungeschriebene Tipps für ein angenehmes Miteinander (Surfen).

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