Teil 1 WaveSisters Nachhaltigkeitsreihe

4 Tipps für die umweltfreundliche Planung deines Surftrips

1.     Beim Kurztrip kommt vor allem die Umwelt zu kurz.

Auf meinen Langzeitreisen habe ich immer wieder Reisende getroffen, die so etwas wie “Europa in 5 Tagen” machen. Das hat mich ganz schön irritiert, denn ich denke nicht, dass Europa in knapp einer Woche abgefrühstückt werden kann. Auch wenn es der kleinste Kontinent ist, hat er je nach Zählweise 47 bis 51 unabhängige Staaten. Demnach könnte man bei diesem Trip in jedem Land 2,5 Stunden verbringen, wenn man während seines Urlaubs nicht schläft. Wie dem auch sei – ich schweife ab. Was ich sagen will ist:

Reisen ist kein Privileg mehr. Wir können jederzeit einen Flug buchen und wachen am nächsten Tag in einem Hotelzimmer am Strand auf. Drei Tage später nehmen wir einen Flug zurück und sitzen montags wieder im Büro im kalten Deutschland. Besser für unseren Planeten und unser Urlaubsgefühl ist allerdings folgendes Szenario: Nimm dir bewusst Zeit für eine Reise und die Destination. Wenn dir nach einer Abenteuer-Auszeit ist, und es sich mit deinem Leben vereinbaren lässt, kannst du deinen Surfaufenthalt ja auch mit Freiwilligenarbeit verbinden. Auf Workaway, Wwoof oder in entsprechenden facebook-Gruppen findest du Angebote zu Arbeit gegen Kost und Logis in NGOs oder Surfcamps.

Glaub mir, es macht viel mehr Spaß komplett in ein Land einzutauchen als mehrmals im Jahr an der Oberfläche einer Kultur zu kratzen. Wer nachhaltig reisen möchte, sollte immer folgende Grundregel beachten: Je weiter weg, desto länger solltest du bleiben!

 

Zum Thema Surfen: Je länger dein Aufenthalt ist, desto besser kennst du die Spots, die Eigenheiten der Locals, die Regeln im örtlichen Line-up und vielleicht sogar “geheime” Plätze zum Surfen. Du kommst nach deinem Aufenthalt mit einem neuen Lebensgefühl zurück statt nur mit Urlaubsbräune und schnell gemachten Selfies vor den wichtigsten Attraktionen.

 

Keine Sorge, du musst jetzt nicht deine Karriere hinschmeißen und deine Familie für ein Jahr verlassen, um regelmäßig surfen zu können. Wenn meine Vorschläge unrealistisch oder gar unattraktiv für dich sind, habe ich gute Nachrichten! Du machst schon einen riesen Unterschied, wenn du statt drei einwöchigen Reisen einfach eine dreiwöchige Reise machst!

2.     Bali oder Ostsee – wie wähle ich eine nachhaltige Destination?

Die Wahl der Destination ist bezogen auf das Thema Nachhaltigkeit ein Riesenpunkt. Eine Flugreise ist zwar komfortabel und schnell, allerdings leider immer noch immer die schlechteste Wahl, wenn es um Umweltschutz geht. Lange Flugreisen produzieren so viel CO2 wie ein halbes Jahr lang Auto fahren. Deshalb gilt es hier ganz genau abzuwägen, was man für ein bisschen Surf mit sich vereinbaren kann.

Überlege dir, ob es wirklich eine Woche Bali im April und zwei Wochen Australien im Dezember sein müssen. Nur weil alle vom Surfen auf Bali reden und es auf Instagram scheinbar keine anderen Destinationen gibt, heißt es nicht, dass du gleich den nächsten Flieger buchen musst. Viele sehr gute Surfdestinationen befinden sich in Europa: Frankreich, Spanien, Portugal sind die Top-Ziele, wenn man den richtigen Swell und sommerliche Temperaturen sucht. England, Dänemark, Niederlande und Irland glänzen mit starkem Swell auch wenn das Wasser eher nach einem dicken Wetsuit schreit. Und ganz nebenbei haben wir in Europa keine gefährliche Meerestiere, die dir den Surf erschweren 😉

 

Sogar an der deutschen Nord- und Ostsee kann man surfen, wenn man den Forecast versteht. Das ist vor allem spannend für SurferInnen, die nahe genug wohnen, um sich unkompliziert ins Wasser zu werfen.

 

Und wie kommst du da hin? Für alle Strecken unter 900 km sollte man nicht ins Flugzeug steigen. Vielmehr kannst du mit ein wenig Zeit Destinationen in Europa mit dem Zug, dem Fernbus, der Fähre oder einer Mitfahrgelegenheit erreichen. Übrigens: Viele Mitfahrbörsen auf facebook sind von Surfern gegründet. So lernst du nicht nur Leute kennen, die deine Leidenschaft teilen, du wirst auch auf Verständnis stoßen, wenn du Platz für dein Surf-Equipment brauchst.

 

Probiere folgende Seiten aus, um die richtige Verbindung oder eine Mitfahrgelegenheit zu finden:

 

Mitfahrgelegenheit:
Blablacar

Surftravellers auf Facebook

Mitsurfbörse auf Facebook

 

Züge & Busse:

Railteam

Flixbus

Deutsche Bahn

 

Generell:

Rome2rio zeigt dir außerdem Verbindungsmöglichkeiten zwischen allen möglichen Orten auf dieser Welt inklusive Zug, Bus, Flugzeug, Schiff, Auto und zu Fuß.

 

Mehr Information:
Die Organisation Stay Grounded setzt sich seit Jahren kritisch mit Flugreisen auseinander. Hier erhältst du tolle Tipps und Informationen über das Fliegen.

3.     Machs wieder gut: Die Kompensation deiner Surfreise.

Wenn es keine wirklich gute Alternative gibt, als ans Meer zu fliegen, kannst du deinen Flug kompensieren. Airlines selbst oder außenstehende Unternehmen versuchen den CO2-Ausstoß, den dein Flug verursacht mit einem errechneten Betrag an einer anderen Stelle durch Klimaschutz-Projekte auszugleichen. Du kannst Flüge entweder direkt beim Buchungsabschluss kompensieren oder aber du suchst dir im Internet einen seriösen Anbieter, um den Kompensationsbetrag zu errechnen und direkt zu bezahlen.

 

Meist handelt es sich um einen Betrag zwischen 50 und 70 Euro. WaveSisters bietet sogar an, die Hälfte des Betrages zu übernehmen, wenn du eine Flugreise buchst, um an einem unserer Camps teilzunehmen.

 

Der beliebteste Anbieter für die Kompensation von Flugstrecken ist übrigens Atmosfair. Hier findet man unterschiedliche Projekte, mit denen versucht wird unseren CO2 Schaden zu begrenzen. Die vollkommene Wiedergutmachung gibt es leider noch nicht. Bis allerdings die Ära der wasserstoffbetriebenen Flugzeuge beginnt, die uns dann sicherlich in neue Diskussionen stürzt, ist es allerdings der beste Ansatz.

 

Eine weitere Methode grundsätzlich CO2 zu kompensieren ist übrigens der Verzicht auf Fleisch: Als Vegetarier sparst du 300 bis 400 kg CO2 im Jahr.

4.     Strandnähe und Spot-Erreichbarkeit.

 

Du willst in deinem Surftrip vermutlich vor allem eines: Möglichst oft zu guten Wellen kommen. Damit du das schaffst, ohne massenweise CO2 in die Atmosphäre zu ballern, solltest du beim Buchen deines Surfcamps oder deiner Unterkunft auf eine gute Lage achten.

 

Es wäre naiv zu sagen, dass du bitte alle Spots zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen sollst. Sei allerdings ehrlich mit dir und checke dein Surflevel: Bist du so gut, dass du alle Reef Breaks der Destination abklappern musst oder reicht für dein Level womöglich der Beach Break direkt vor der Haustüre? Und gibt es vielleicht sogar eine Webcam vor Ort mit deren Hilfe du die Spotauswahl treffen kannst, ohne viel herumzufahren? Alles über die Planung des Surf mit Webcams und Tipps zur Spotauswahl erfährst du in Teil 2 der WaveSisters Nachhaltigkeitsreihe: Grüner surfen.

 

Mögliche Kriterien für die Wahl der Unterkunft können sein:

 

  • Strände, die fußläufig oder mit dem Fahrrad plus Rack erreichbar sind bzw. ein zufriedenstellender Hausstrand.
  • Ein Shuttle, das alle Surferinnen zu einer bestimmten Uhrzeit gemeinsam zum Strand bringt.
  • Eine Unterkunft, die nicht nur einen guten Spot, sondern gleich mehrere mit unterschiedlichen Ausrichtungen bietet, damit du wenigstens nicht stundenlang fahren musst, wenn mal einer davon flach ist.

 

  • Schließe dich für Surfausflüge mit anderen Reisenden im Camp oder im Hostel zusammen und versuche so Fahrgemeinschaften zu gründen.

 

Das Fazit zur nachhaltigeren Anreise und Reiseplanung:

 

  • Wähle möglichst kurze Strecken und informiere dich, ob die Anreise per Bus, Zug oder mit einer Mitfahrgelegenheit möglich ist.
  • Je weiter du reisen musst, desto länger solltest du in der Destination bleiben, damit sich dein CO2-Ausstoß rentiert.
  • Vermeiden ist besser als wieder gut machen. Sei kritisch und gehe in dich, bevor du Flugtickets für einen Wochenend-Trip nach Spanien buchst.
  • Wenn es nicht anders geht und du fliegen musst, kompensiere deinen CO2-Ausstoß. Sag Birgit von WaveSisters bei der Anmeldung Bescheid, denn sie übernimmt einen Teil der Verantwortung als Surfcampanbieter und erstattet dir den halben Kompensationsbetrag zurück mit deinem Nachweis.
  • Versuche zumindest vor Ort klimaneutral zu reisen. Es muss ja nicht gleich Esel oder Pferd sein. Wer statt Mietwagen Fahrrad, Bus oder Bahn fährt und kurze Strecken auch einfach mal läuft, macht schon einen großen Unterschied für seinen ökologischen Fußabdruck.

 

Wir hoffen, du bist nun bereit deinen nächsten Surftrip zu planen und du kannst dich bald etwas ökologischer in die Wellen mit uns stürzen!

Von WaveSisters Allgemein