Teil 3 Der WaveSisters Nachhaltigkeitsreihe

5 Tipps für nachhaltiges Surfequipment und Recycling deines alten Surfmaterials.

Der letzte Beitrag der Nachhaltigkeitsreihe von WaveSisters widmet sich dem nachhaltigen Drumherum, das du zum Surfen brauchst. Wir schalten hier keine Werbung, es handelt sich lediglich um Anregungen und eine kleine Aufklärung, was es denn überhaupt alles zu beachten gilt.

Surfen ist zwar kein Sport, der das Mega-Equipment braucht, im Laufe deines SurferInnen-Lebens sammelt sich allerdings schon so einiges an. Damit nichts unnötig produziert wird und dann herumsteht, überlege dir hier, genauso wie bei jeglichen anderen Konsumgütern, ob du wirklich 10 verschiedene Bretter brauchst oder ob es nicht vielleicht ein bis drei Bretter auch tun. Mit überlegter Beschaffung und dem richtigen Umgang kannst du deinen Impact auch hier minimieren.

 

  1. Nachhaltig produziertes Equipment.

Mittlerweile können wir sogar Zahnbürsten aus Bambus kaufen während Surfbretter aus abbaubaren und nachhaltigen Materialien immer noch kein großes Ding zu sein scheinen.

Vorurteile wie eine eingeschränkte Performance lassen Surfer dann doch lieber zu Epoxid, Polyester und Glasfaser-Brettern greifen. Dabei sollten wir ehrlich bezüglich unseres Surflevels sein und darauf hören, was Experten sagen. Denn wer „nicht gerade auf Tour ist, sollte definitiv ein nachhaltiges Brett surfen.“, so Soulsurfer Rob Machado in der Reihe „Stab in the Dark“ in der sich Profisurfer wie Mick Fanning auf die Suche nach dem perfekten Brett machen. Was Machado damit sagen will, ist: Sollte dein Board nicht komplett darauf ausgerichtet sein, deine unglaubliche Performance noch unschlagbarer zu machen, ist ein Holzbrett mit nicht-toxischer Glasur wirklich gut genug!

Auf der Seite Sustainable Surf kannst du dir mehr Informationen zum Thema nachhaltige Surfboards holen. Hier sammeln sich unter der Non Profit Organisation Ecoboard Project unterschiedliche Shaper und Produzenten mit verschiedenen, nachhaltigen Schwerpunkten in der Surfbrettproduktion. Außerdem vergibt die Organisation Zertifikate für Surfbretter, die gewisse ökologische Merkmale erfüllen. Ein wichtiger Punkt bei der Vergabe des Labels sind zum Beispiel die Verwendung von pflanzlichen Lacken oder ein Minimum von 25 % recycelten Materialien für den Kern des Boards.

Anlaufstellen für nachhaltige Bretter in Europa sind unter anderem zwei Brüder aus München, die unter der Marke Wau-Surfboards Bio-Bretter shapen und die Marke Kuntiqi, die sich gemäß ihrer Seite viel Zeit für ein Surfbrett aus nachwachsendem Balsaholz nehmen. Außerdem gibt es in Cornwall Arbo Surfboards. Der Gründer und Shaper Paul bietet seit 2010 Shapeworkshops und customized Surfboards aus Holz an.

Wir haben sowohl bei Kuntiqu als auch bei Arbo Surfboards nach Tipps, Einschätzungen und einem kleinen Interview gefragt und können euch hoffentlich bald einen kleinen Blogbeitrag mit ihnen präsentieren!

Nachhaltige Neoprenanzüge findet man aktuell bei der Outdoormarke Patagonia. Diese Wetsuits brauchen eigentlich auch einen neuen Namen, da sie kein Neopren enthalten, sondern aus Naturkautschuk hergestellt werden. Ob Naturkautschuk-Anzug allerdings ins Surfer-Vokabular aufgenommen wird, sei dahingestellt.

Green Washing? Vielleicht. Du siehst, der Absatz des nachhaltig produzierten Materials fällt recht kurz aus. Das liegt auch daran, dass ich ein Fan des nächsten Punktes bin:

 

     2. Secondhand ist mehr als gut genug!

Vermutlich bist du kein Surfprofi, der durch das optimale Equipment seine Chance auf einen Sieg bei der WSL verbessern möchte. Klar, willst du das passende Surfbrett und einen gut sitzenden Neopren-Anzug, um das Beste aus deinen Sessions herauszuholen aber muss es wirklich Neuware sein und immer mehr Konsum? Viel besser als nachhaltig produzierte Gegenstände, sind immer noch Dinge, die bereits im Umlauf sind und die zu schade zum Wegwerfen sind.

Gerade als Anfänger und Intermediate, also beim Herantasten an das passende Equipment, empfehle ich dir deshalb auf gebrauchte Artikel zurückzugreifen. Ich gebe zu, die Beschaffung verlangt etwas mehr Geduld, Know-How und Verhandlungsgeschick aber Ausrüstung, die auf ebay, willhaben oder facebook marketplace zu haben ist, ist zumindest teilweise wie neu und bereits nach einigen Versuchen im Wasser wieder abzugeben.

Kaufe dein Equipment jedoch nie ungesehen und bleibe kritisch! Ein zerrissener Wetsuit ist genauso wertlos wie ein Surfbrett, das bereits Wasser gezogen hat. Dann bleibt dem Verkäufer tatsächlich nur noch eine Lösung: der Recycling-Hof.

 

      3. Mehr als LSF und UV-B: Die richtige Sonnencreme für die Korallen.

Glaubt man den verschiedenen Quellen im Internet, landen rund 160.000 Tonnen Sonnencreme erst auf unserer Haut und anschließend im Meer, wo sie Korallenriffe zerstört und das ökologische Gleichgewicht aus der Balance bringt. Achte deshalb beim Kauf deiner Sonnencreme auf den Hinweis: Riff friendly. Außerdem solltest du beim Surfen nicht zu herkömmlicher Sonnencreme greifen, sondern lieber eine mineralische Alternative wählen. Das sorgt nicht nur für besseren Schutz vor Hautalterung und Hautkrankheiten, sondern schützt auch das Meer. Die Basis dieser “umweltfreundlicheren” Sonnencremen sind Zink Oxid und Titanium Dioxide.

Was definitiv nicht in deiner Sonnencreme sein sollte, wenn du damit ins Meer gehst:

  • Oxybenzon
  • Avobenzon
  • Octocrylen

Top-Nachhaltigkeitstipp: Statt den ganzen Körper einzucremen, benutze ein Shirt oder einen dünnen Neo und creme nur dein Gesicht mit einem Zinkstick ein. Du kannst dir auch einen wiederverwendbaren Sonnenhut fürs Surfen kaufen oder aus einer alten Baseball-Cap selbst einen nähen.

 

4. Wachs über dich hinaus: Nachhaltiges Bio-Wachs für dein Brett.

Wachs klingt erstmal total nach Bienen oder Baumharz. Leider falsch assoziiert, denn viele populäre Wachsarten enthalten Stoffe, die auf Erdöl basieren. Außerdem ist in den konventionellen Wachsen Palmöl oder Soja drin. Letzteres wird in so großem Stil angebaut, dass es in vielen Gebieten der Erde die Biodiversität gefährdet.

Was man nun kaufen kann, um trotzdem den nötigen Grip auf dem Brett zu haben, ist Bio-Surfwachs, das nicht nur ökologisch vertretbare Inhaltsstoffe enthält, sondern auch mit einer komplett recycelbaren Verpackung und möglichst regionaler Herstellung punktet. Zu empfehlen sind hier das Bio-Wachs der Marke Greenfix, das Rob Machado Organic Surf Wax, das neben der ökologischen Herstellung mit dem Erlös auch noch Projekte unterstützt, die Bildung oder Umweltschutz zugutekommen sowie das Famous Green Label Wax.

Auf youtube findest du außerdem Anleitungen dein eigenes Surfwachs aus dem Harz eines Baumes oder aus Bienenwachs herzustellen. Viel Erfolg 😉

Die Mehrweg-Alternative zu Wachs:

Eine langlebigere Alternative zu erdölbasierten Wachsarten ist ein Surfpad. Vermutlich wird man mit einem vollgeklebten Brett im Line-up eher ausgelacht. Wem das egal ist, der kann die Schaumstoffpads auf sein Board pappen.

 

     5. Recyceln, verschenken, verkaufen: Was tun mit altem und kaputtem Surfequipment?

Fall 1: Du bist aus deinem Material herausgewachsen.

Dein Neoprenanzug zwickt und ist über das letzte halbe Jahr irgendwie enger geworden und dein erstes 7.6 Brett steht schon seit längerem unbenutzt in der Ecke.

Natürlich kannst du bei einwandfreiem Equipment und einem rationalen Preis versuchen dein Material gebraucht zu verkaufen.

Solltest du keine Abnehmer finden, kannst du dir auch überlegen eine Charity-Organisation mit deinen gut erhaltenen Ausrüstungsgegenständen glücklich zu machen. In vielen ärmeren Ländern ist Surfen mehr als ein Sport. Vielmehr ist es für die Menschen in der Dritten Welt ein Selbstbewusstseins-Boost, eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, eine Pause vom harten Alltag und wenn sie ganz, ganz gut sind eventuell sogar ein Ausweg aus der Armut.

Damit Kinder, Jugendliche und Erwachsene in aller Welt einen sicheren Zugang zum Wellenreiten haben, gibt es zahlreiche Organisationen, die Surfequipment vor Ort an die Community übergeben, kleine Surfmeisterschaften organisieren oder anders zur notwendigen Infrastruktur beitragen. Eine Organisation, die ich getrost nennen kann, ist smiles.org. Gegründet von einem spanischen Zahnarzt reist diese Organisation mit einem Team von surfenden Zahnärzten in Gebiete ohne medizinische Infrastruktur, um dort die Zähne der Bevölkerung zu richten und ihnen das Surfen näherzubringen.

Fall 2: Dein Material ist beschädigt.

Vor kurzem habe ich in Costa da Caparica in Portugal durch Zufall und dank einer kaputten Fin-Box einen lokalen Shaper besucht. Er hatte in seiner kleinen Werkstatt zahlreiche beschädigte Boards. Die Mängel der Bretter waren total unterschiedlich und reichten von kleinen Dings bis in der Mitte gebrochene Bretter. Für mich als Newbie im Surfsport war es die Erkenntnis, dass man gesnapte Bretter reparieren kann!

Der Shaper hat mein Erstaunen wohl bemerkt und meinte lässig, dass man alles reparieren könne, wenn man nur weiß wie. In diesem Sinne: Wende dich mit Schäden von Brett und Neoprenanzug an einen Profi, der die Reparatur abschätzen kann, bevor du dein Material abschreibst.

Am besten machst du das noch im Urlaubsland, weil es da meist günstiger ist als in Deutschland oder Österreich und die Surf-Expertise dort meist auch ein wenig zuverlässiger ist.

Fall 3: Dein Material ist nicht mehr zu retten.

Schade. Aber auch im Wellenreitsport gibt es mittlerweile Start-ups und große Unternehmen, die sich kaputten Wetsuits annehmen, um sie zu verschiedenen Dingen zu verarbeiten. So gibt es mittlerweile Yogamatten, Accessoires oder Taschen aus recycelten Wetsuits. Wirf deinen Neo also nicht in den Müll, sondern suche nach Organisationen in deiner Nähe, die deinem Wetsuit neues Leben einhauchen können.

Dein altes Brett kannst du mit etwas handwerklichen Geschick zu einem Kaffeetisch, einer Schuhablage oder sogar einer Gartenschaukel machen. Guck mal hier: Upcycling fürs Surfboard.

Tipp: Je besser du dein Material pflegst, desto länger hält es. Lasse Brett und Wetsuit niemals in der prallen Sonne stehen, verstaue dein Brett in einer Socke oder einer Tasche und wasche deinen Wetsuit nach jeder Session mit Süßwasser aus. Gönne deinem Wetsuit auch hin und wieder eine Waschung mit Neopren-Shampoo.

Wir hoffen das Lesen der WaveSisters Nachhaltigkeitsreihe hat dir Spaß gemacht. Und wir hoffen, du freust dich schon die Tipps im nächsten Surfurlaub anzuwenden! Lass uns gerne wissen, wie du deinen ökologischen Fußabdruck reduzierst und welche guten Ratschläge wir vergessen haben!

Von WaveSisters Allgemein