
Über die Kolumne: Salt Words
Salz macht aus einem faden Gericht ein gutes. Und genau darum geht es in Salt Words: um die Kunst des Schreibens, mit Würze!
Wer surft, kennt den würzig-salzigen Geschmack: Er bleibt auf den Lippen, im Haar und noch lange nach der Session in der Erinnerung. So sind auch die Texte.
Einmal im Monat schreibt Eli über das, was im Wasser passiert und im Kopf drumherum. Sie erzählt vom Surfenlernen, vor allem von dem Weg, wenn man erst spät einsteigt und sich zwischen Anfängerfehlern, Stolz und der Frage wiederfindet, warum man sich das eigentlich antut. Sie schreibt über weibliche Sichtweisen und Gedanken rund ums Surfen, über Line-ups, in denen man sich seinen Platz erst einmal erarbeiten muss, und über den Lifestyle, der mit dem Surfen einhergeht.
Dabei nimmt sie kein Blatt vor den Mund. Eli spricht Dinge an, vor denen andere lieber zurückschrecken, ehrlich und mit einer Prise Selbstironie. Ohne Zeigefinger, dafür mit Haltung. Das Urteil überlässt sie gern euch.
Und weil das Surfen nicht an der Wasserkante aufhört, wirft Salt Words auch einen Blick auf die Gesellschaft. Es ist eine etwas andere Perspektive, geprägt von Salz, Sand und vielen Stunden im Wasser, in denen man viel Zeit zum Nachdenken hat.
Keine Hochglanz-Storys, sondern Geschichten, die mitten aus dem Leben gegriffen sind. Kommt mit auf Elis Surf-Reise. Wohin sie geht? Das weiß noch keiner, aber es wird salzig.
Übrigens: Social Media ist nicht ihr Ding, Worte schon. Und die kommen hier alle von ihr.

Über die Autorin
Eli ist Kanadierin, aber wer sie erlebt, könnte auch auf Latina tippen. Kein Wunder: Sie hat jahrelang in der Dominikanischen Republik gelebt. Dazu kommen schottische Wurzeln, und fertig ist eine Mischung, die man nicht in eine Schublade bekommt.
Mit Anfang 30 ist Eli dem Surfen verfallen, und je kleiner ihr Board wurde, desto größer wurden die Fragen. Die Hälfte des Jahres verbringt sie in Montreal, die Winter in Costa Rica. Der nächste Schritt ist der ganz große: der volle Umzug, und zwar nach Costa Rica. Wohin sonst?

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Begriff des beitrags
Der Male Push (Subst.) – wennein wildfremder Typ im Line-Up deinem board unaufgefordert einen Schubs gibt, den du nie darum gebeten hast zu bekommen.
The Male Push
01/10/2026 · reading time: 6 min.

In letzter Zeit versuche ich, meine “feminine Energie” anzuzapfen. Meine Freundinnen haben mir ans Herz gelegt, Männern mehr Raum zu geben, damit sie Dinge “für mich tun” können. Ein Beispiel: Du kommst vom Großeinkauf zurück, dein Nachbar (männlich) bemerkt es und fragt, ob er dir mit den Taschen helfen soll. Du antwortest streng: “Danke, passt schon!” und kugelst dir beinahe beide Arme aus, weil du alles in einem Gang reinschleppen willst. Nur um dir selbst zu beweisen, dass du eine starke, unabhängige Frau bist.
Ein anderes Beispiel: Ein Typ lädt dich zum Essen ein, aber du bestehst darauf, ihn abzuholen, weil das Restaurant in der Innenstadt liegt und du ja “die Beste im Parallelparken” bist (wahre Geschichte). Ehrlich gesagt ist es aber schwer, Hilfe anzunehmen, wenn man schon so lange alles für sich selbst und allein erledigt.
Und damit sind wir bei unserem Thema: dem Male Push.
Zur Einordnung: Vor etwa drei Jahren habe ich meine Liebe und Besessenheit fürs Surfen entdeckt. Seitdem habe ich mich Stück für Stück von einem größeren Board zu meinem jetzigen mit 6’0″ und 32,5 Litern vorgearbeitet. Eines ist sicher: Mit einem kleineren Board Wellen zu fangen, kann eine Herausforderung sein. Und plötzlich bieten mir Männer im Wasser an, das Heck meines Boards anzuschieben, damit ich eine Welle kriege. Jedes Mal, wenn mir dieses Angebot gemacht wird, zuckt die kleine starke, unabhängige Lady in mir zusammen.
“Aber wohin mit dem Stolz?”
Immerhin braucht dein Girl offensichtlich Hilfe.
Übersehen wir außerdem nicht einen wichtigen Aspekt des “Pushs”: Damit er stattfinden kann, muss das Gesicht des Typen buchstäblich wenige Zentimeter von deinem Hintern entfernt sein. Das ist eine ziemlich verfängliche Position. Wenn der Push also nicht von der richtigen Person oder einem Coach kommt, kann er sich ganz schön übergriffig anfühlen.
Neulich habe ich außerhalb des Wassers einen Typen kennengelernt: ein kalifornischer Surfer-Dude, unverschämt gutaussehend und erstaunlicherweise im passenden Alter. Eines Morgens landeten wir gemeinsam im Line-up, an einem Tag, an dem die Bedingungen es mir schwer machten, überhaupt etwas zu erwischen. Ich bin im Wasser keine große Rednerin, aber die Attraktivität dieses Mannes ließ mich meine Vorlieben in Sachen Surf-Etikette komplett vergessen.
Also tauschten wir Geschichten aus, lachten zwischen den Sets und sahen einander beim Paddeln nach Wellen zu. Meistens sah ich zu, wie er abging, und er sah zu, wie ich Welle um Welle um Welle antiklimaktisch verpasste.
Als ich nach einem meiner äußerst attraktiven Fehlversuche zu ihm zurückpaddelte, sagte er leise:
“Ich sollte dir mal einen Push geben.”
Und da war er, meine Freund*innen: mein Moment, einen Mann etwas “Männliches” tun zu lassen. Es war das erste Mal, dass ich einem Male Push begegnete, der nicht von einem Surfcoach kam. Ich hatte nur einen Sekundenbruchteil, um zu reagieren. Nehme ich den Push an? Oder wimmle ich ihn mit meinem üblichen “Ich schaff das schon” ab?
Seltsamerweise tat ich keines von beiden. Ich erstarrte. Ich sagte nichts und tat so, als hätte ich ihn nicht gehört. Doch danach, als ich bei jeder Welle weiter wild mit den Gliedmaßen ruderte und so verdammt hart versuchte, IRGENDETWAS zu fangen, wünschte ich mir ein Stück weit, ich hätte seinen Push angenommen und sogar dazu ermutigt. Ich brauchte Hilfe. Ich wollte verdammt noch mal eine Welle reiten.
Ein paar Tage später fuhren meine Freundin und ich an einer Bar vorbei und sahen ihn dort mit einer anderen turteln. Ich fragte mich: Hätte ich sein Hilfsangebot angenommen und die Rolle der Prinzessin in Nöten gespielt, wäre dann ich es gewesen, die mit ihm vor der Bar steht? Begrenze ich mich in meinem Liebesleben, wenn ich so verschlossen gegenüber dem “Lass ihn mal machen”-Weg bin? Und noch wichtiger: Begrenze ich mich damit in meinem Surf-Fortschritt?
Nun spreche ich vielleicht hauptsächlich zu Surf-Anfängerinnen, aber ich glaube, ich kann mit Sicherheit sagen, dass wir den Male Push alle schon erlebt haben, egal auf welchem Level wir gerade sind. Nie vergessen werde ich den Moment bei einem Mädelsabend, als wir auf das Thema kamen und Jule, unsere WaveSisters-Leaderin, von ihrem eigenen Erlebnis mit dem Male Push in Portugal vor ein paar Jahren erzählte.
Wichtig zu wissen: Jule surfte zu diesem Zeitpunkt schon deutlich über 15 Jahre. Der Tag war nicht besonders groß, und die Bedingungen waren auch nicht schwierig, was das Wellenfangen anging. Jule war an ihrem üblichen Surfspot, umgeben von vielen vertrauten Gesichtern im Line-up.
Als sie mit ihren Haifisch-Skills nach einer Welle paddelte und gerade aufstehen wollte, spürte sie plötzlich, wie ihr Board nach vorne ruckte. Gerade noch rechtzeitig konnte sie sich umdrehen und sah, dass irgendein ihr nicht bekannter einheimischer Typ es für nötig gehalten hatte, ihr zu Hilfe zu eilen. Ein Push ohne Einverständnis.
Verdutzt und verwirrt, aber vor allem völlig unvorbereitet, surfte Jule die Welle einfach geradeaus ab, zu perplex, um auch nur zu versuchen, auf dem Board zu manövrieren. Auf dem Rückweg ins Line-up, voller Wut und Frust, blieb sie einen Moment sitzen und spielte die Szene in ihrem Kopf noch einmal durch.
Nach ein paar Minuten bemerkte Jule, wie derselbe Mann aufrecht auf seinem Board saß und ziemlich begierig wirkte, weil er offenbar eine Welle auf sich zukommen sah. Ohne zu zögern paddelte Jule entschlossen auf ihn zu. Und genau als die Welle zu brechen begann und der Mann sich aus Leibeskräften abmühte, den Drop zu schaffen, kam Jule an seinem Heck an und gab seinem Board im Gegenzug einen kleinen Schubs.
Zu Jules Genugtuung stürzte der Mann. Als er wieder auftauchte, hatte er denselben verblüfften Blick, den Jule kurz zuvor gehabt hatte. Und wie ein Hund mit eingekniffenem Schwanz paddelte er schweigend zurück und setzte sich weit weg vom Geschehen. In diesem Moment war er gedemütigt, denn er wusste genau, was er getan hatte.
Nach dem, was ich beobachtet habe, neigen Frauen, die das Surfen anzieht, eher zur Fraktion “Ich schaff das allein”, oder ist das heutzutage vielleicht einfach bei den meisten Frauen so? Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass Surfen weiterhin ein männerdominierter Sport ist. Und im letzten Szenario hast du genau den Grund dafür, warum Frauen das Gefühl haben, ständig um ihren Platz im Line-up kämpfen zu müssen.
In meinem Fall könnte man allerdings argumentieren, dass der Push als Akt der Freundlichkeit gelten kann. Wir könnten sogar so weit gehen, es “Galanterie” zu nennen.
“Den Push anzunehmen ist nicht zwangsläufig ein Zeichen von Schwäche, sondern vielmehr das Eingeständnis, Hilfe zu brauchen.”
Doch unabhängig vom Grund und davon, ob er angeboten oder aufgezwungen wird: Hinter dem Male Push steckt ein Unterton von Mansplaining, und er kann für manche Frauen eine Herausforderung sein, für andere eine willkommene Hilfe.
Die Debatte überlasse ich euch.
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