18/12/2025 – 10 min.

Jivamukti Yoga – so viel mehr als Yoga

Mit großer Freude möchten wir ein kommendes Highlight ankündigen: unser Jivamukti Yoga Retreat mit Annina Lingen im Mai 2026

Für viele ist Jivamukti Yoga erst einmal „dynamisch“, „laut“ oder „fordernd“. Für uns ist es vor allem eines: eine Praxis, die weit über die Yogamatte hinausgeht. Jivamukti Yoga ist keine Abfolge schöner Asanas, sondern ein Konzept, eine Haltung dem Leben gegenüber. Eine Einladung, Yoga nicht nur zu machen, sondern zu leben.

Wie fühlt sich eine Jivamukti-Klasse an?

Eine Jivamukti-Stunde kann intensiv sein. Körperlich fordernd. Schweißtreibend. Und gleichzeitig tief berührend.
Du wirst bewegt – im Körper, im Geist, manchmal auch emotional.

Asana-Sequenzen zu Musik, Chanting, Meditation, Momenten der Stille, philosophischen Impulsen und Atemarbeit. Es ist selten „nur ruhig“ oder „nur anstrengend“. Meist ist es beides. Und genau darin liegt die Kraft. Jivamukti Yoga ist kein *Workout*. Es ist ein **Work-in** – eine Arbeit mit dem Inneren, über den Körper erfahrbar gemacht.

Ursprung und Idee des Jivamukti Yogas

Jivamukti Yoga wurde in den 1980er-Jahren von Sharon Gannon und David Life in New York gegründet. Ihre Vision: Sie wollten Yoga nicht nur frontal unterrichten sondern als gemeinschaftliche Praxis leben. Yoga sollte nicht fragmentiert unterrichtet werden – also nicht Asana von Meditation und Philosophie getrennt – sondern als Ganzes erfahrbar sein. Asanas, Musik, Sanskrit, Chanting, Meditation und Yogaphilosophie sollten in einer Klasse zusammenkommen. Nicht nebeneinander, sondern miteinander verwoben.

Die offizielle Definition der Methode lautet: „Der Weg zur Erleuchtung durch Mitgefühl für alle Lebewesen.“

Oder einfacher gesagt:
Yoga ist mehr als den Fuß hinter den Kopf zu bringen oder die Nase ans Knie.

Die fünf Säulen des Jivamukti Yogas

Jivamukti ist eine kraftvolle Praxis mit deutlichem Fokus und einer Haltung, die weit über die körperliche Bewegung hinausreicht. Sie verbindet körperliche Herausforderung mit Meditation, Musik und einer geerdeten Philosophie.


Die Methode basiert auf fünf miteinander verwobenen Grundpfeilern:

1. Ahimsa – Gewaltlosigkeit & Mitgefühl in Handlung, Sprache und Denken
Nicht nur auf der Matte, sondern in allen Beziehungen unseres Lebens: zu anderen, zur Umwelt, zu uns selbst.

2. Bhakti – Hingabe und Verbindung
Die Praxis als etwas Größeres zu verstehen als das eigene Ego. Hingabe an den Moment, an die Lehre, an das Leben.

3. Dhyana – Meditation als zentrales Element
Das Beobachten der Gedanken, Gefühle und Muster – ohne sie sofort verändern zu wollen.

4. Nada – Klang & Musik als Zugang zu Präsenz
Chanting, Mantras, Musik als direkter Weg ins Erleben.

5. Shastra – Studium der Schriften um Praxis und Alltag zu verbinden
Alte Texte und Lehren als Orientierung, nicht als Dogma.

 

Und jetzt die spannende Frage:
Wie kommt man von diesen fünf Säulen zu körperlich anstrengenden Asanas? So theoretisch das klingt – in einer Stunde zeigt sich das ganz praktisch:
Asanas sind das Werkzeug, um diese Prinzipien erlebbar zu machen. Nicht im Kopf, sondern im Körper. Wenn es herausfordernd wird, wenn wir an Grenzen kommen, wenn Widerstand auftaucht – genau dort beginnt die eigentliche Praxis.

Beziehungen, Balance & innere Schutzmechanismen

Ein zentrales Thema im Jivamukti Yoga ist Mitgefühl – und damit auch Beziehung.
Wir stehen in unzähligen Beziehungen: zu Menschen, zur Natur, zu unserem eigenen Körper und Geist, zu unseren Gedanken. Und oft ist unser Normalzustand nicht Balance, sondern Disbalance:
körperlich, emotional oder mental. Sobald wir diese Balance verlassen, kann Angst entstehen. Veränderung fühlt sich ungewohnt an. Also bleiben wir lieber beim Alten – ein Schutzmechanismus vor dem eigenen Innenleben. Die Yogapraxis kann diesen Schutzwall sanft ankratzen. Sie lädt uns ein, hinzuschauen, statt auszuweichen.

Warum Musik – und manchmal auch laut?

Ein Markenzeichen von Jivamukti Yoga ist Musik. Manchmal laut, manchmal leise, manchmal gar keine.

Warum laute Musik?
Weil Musik unsere Sinne aktiviert. Musik und herausfordernde Asanas können uns bewusst in eine Stresssituation bringen, wenn wir z.B. nur noch auf beiden Händen stehen und versuchen Balance Überkopf zu finden. In der Yogapraxis geschieht es aber in einem geschützten Raum und wir bestimmen selbst wie weit wir gehen wollen. Im Alltag passiert Stress oft unkontrolliert. In der Yogapraxis lernen wir mit unterschiedlichsten Werkzeugen, damit umzugehen: Mit dem geführten, langen, tiefen Ujjayi Atem (Prana), dem fokussierten Blick (Drishti), und dem chanten von Mantras (für unsere Gedanken).

Musik macht die Praxis multisensorisch. Sie kann uns kraft geben und uns anfeuern, oder sie kann uns beruhigen und erden. Sie fordert uns auf, wieder zu fühlen. Unsere Sinne zu verfeinern. Aus automatischen Routinen auszusteigen. Die Yogapraxis will uns nicht abschalten – sie will uns anschalten. Und ja: Jivamukti Yoga besteht nicht nur aus lauter Musik und Power-Flows. Es gibt genauso ruhige Phasen, Stille, entspannte Haltungen. Die Erfahrung dahinter bleibt dieselbe. Sharon Gannon beschreibt die Methode als eine Essenz, ein Konzept, das überall im Leben auftauchen kann – nicht nur auf der Matte.

Retreat Host: Annina Lingens

Unser kommendes Jivamukti Yoga Retreat wird von Annina Lingens geleitet – einer 800+ hours Advanced Certified Jivamukti Yoga Teacher, Künstlerin, Mutter und langjährigen Lehrerin bei Peace Yoga Berlin.

Anninas Weg zum Yoga begann nicht auf der Matte, sondern auf der Bühne. Ursprünglich aus dem klassischen Ballett kommend und später in der zeitgenössischen Tanz- und Performancekunst ausgebildet, lernte sie früh, ihren Körper funktionieren zu lassen – oft auf Kosten von Leichtigkeit und Gesundheit. Wiederkehrende Verletzungen führten sie schließlich zu einer offeneren, ganzheitlicheren Körperpraxis. Die erste Jivamukti Yoga Klasse stellte alles, was sie bis dahin über den Umgang mit dem Körper gelernt hatte, radikal in Frage. Besonders eines hat Annina auf ihrem Weg vom Ballett zum Yoga gelernt: Je präziser wir unseren Körper auf der Matte platzieren, desto ruhiger werden auch die Gedanken. Das Bewusstsein für die Haltung des eigenen Körpers, überträgt sich auch auf das Leben jenseits der Matte: Wir lernen eine Haltung einzunehmen, zu zeigen und dafür einzustehen.
Was sie an der Jivamukti Methode bis heute tief berührt, ist der Perspektivwechsel: Die Praxis passt sich dem Körper an – nicht umgekehrt. Diese Erfahrung beschreibt Annina als zutiefst befreiend. Ebenso prägend waren für sie das Chanten von Mantras, Meditation und die yogische Idee, dass alles, was wir brauchen, bereits in uns vorhanden ist – und durch Praxis Schicht für Schicht freigelegt werden kann.

“Yoga ist eine Praxis, die uns näher zu uns selbst führt und die Verbindung zu anderen Menschen und unserer Umwelt vertieft. Wenn wir wacher und rücksichtsvoller durchs Leben gehen, wissen wir nicht nur die schönen, kleinen, manchmal ganz leisen Dinge mehr zu schätzen. Automatisch ergibt sich daraus auch das Bedürfnis, diese Schönheit zu bewahren, sich politisch zu engagieren und in der Gemeinschaft einzubringen.”

– Annina Lingens –

Annina unterrichtet kraftvolle Sequenzen mit vielen Optionen, sodass jede*r so üben kann, wie es dem eigenen Körper entspricht. Ihre präzisen Hands-on-Assists helfen, Asanas wirklich zu verstehen – und manchmal das Unmögliche möglich zu machen. Energetisierende, präzise und gleichzeitig humorvolle Klassen, in denen sie ihre Schülerinnen dazu einlädt, die eigenen Grenzen achtsam zu erforschen. Dabei legt sie großen Wert auf Details, bewusste Ausrichtung, wache Präsenz und Freude an der Praxis.

Ein zentraler Gedanke in Anninas Unterricht ist Präsenz. Sie ist überzeugt, dass Präsenz eines der radikalsten Werkzeuge ist, um sowohl auf der Matte als auch im Leben den eigenen Platz einzunehmen. Je klarer wir unseren Körper ausrichten, desto ruhiger wird der Geist – und diese innere Haltung wirkt weit über die Yogapraxis hinaus. Wir lernen, Haltung zu zeigen, Verantwortung zu übernehmen und für uns einzustehen. Yoga versteht Annina nicht als Rückzug aus der Welt, sondern als bewusste Hinwendung: zu uns selbst, zu anderen Menschen und zu unserer Umwelt. Oder, wie es Marianne Williamson beschreibt – ein Zitat, das Anninas Haltung tief widerspiegelt:

„Unsere größte Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind. Unsere größte Angst ist, dass wir kraftvoll sind – über alles Messbare hinaus. Wenn wir unser eigenes Licht strahlen lassen, geben wir anderen ganz unbewusst die Erlaubnis, das Gleiche zu tun.“

In Anninas Klassen treffen schweißtreibende Sonnengrüße, fein abgestimmte Asanasequenzen und Musik von Bach bis Beyoncé aufeinander. Herz öffnen und gleichzeitig stabil bleiben, Atem und Bewegung harmonisieren – herausfordernd, ehrlich und zutiefst menschlich.

Unser Retreat mit Annina Lingens

Mit Annina dürfen wir diese Tiefe, Klarheit und Hingabe in unserem kommenden Retreat erleben. Eine Praxis, die fordert und hält. Die bewegt und erdet. Die nicht vorgibt, wie man sein soll – sondern Räume öffnet, um sich selbst ehrlicher zu begegnen.

Jivamukti Yoga ist kein Ziel.
Es ist ein Weg.
Und wir freuen uns sehr, diesen besonderen Raum gemeinsam mit Annina im Retreat zu öffnen und ihn gemeinsam mit euch zu gehen.

Text und Fotos von Annina Lingens + Julia Fischer. Folge Annina auf Instagram:

Warum Jivamukti Yoga uns so berührt – ein persönlicher Blick:

 Wir haben Jivamukti Yoga vor längerer Zeit durch unsere frühere Yogalehrerin im Camp in Portugal entdeckt. Was uns bis heute tief beeindruckt, ist die Hingabe der Lehrenden.

Viele Yogalehrer*innen bewegen sich irgendwann in einem Ego-Dilemma: Menschen kommen auf sie zu, sagen „Du hast mein Leben verändert“ – und das kann etwas mit einem machen.
Im Jivamukti Yoga erleben wir etwas anderes. Zum einen wird sich immer wieder auf die Methode, die Tradition, die Schriften und lebende Lehrer*innen bezogen. Zum anderen ist da die klare Haltung, sich selbst als Instrument zu sehen – nicht als Mittelpunkt. Diese Verwurzelung in einer großen, lebendigen Tradition hilft, dass nichts „zu Kopf steigt“. Hingabe, Demut und eigene Praxis bleiben zentral.

Was wir außerdem lieben: Jivamukti Yoga bringt einen regelmäßig an seine Grenzen. Und genau dort merkt man, wie viel es noch zu lernen gibt. Wie sehr Yoga über das hinausgeht, was man am Anfang dachte.

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